Weltreise – Erster Tag: Von Berlin nach Kuala Lumpur

Die Reise beginnt…

Um genau zu sein: Meine Reise beginnt in Deutschland, Büddenstedt.

Zwei Jahre lang hatte ich in Deutschland in einem Hotel als Zimmermädchen gearbeitet, um mir neben der Uni das Geld für eine Weltreise zusammen zu sparen. Es war nicht einfach, aber je mehr ich mir beim Näherrücken des Masterabschlusses über meine Zukunft Gedanken machte, umso intensiver wurde mein Wunsch, einfach frei zu sein und erstmal zu reisen und die Welt zu sehen und richtig zu leben, bevor ich in einem langweiligen Berufsalltag versumpfe.

Ich wollte nicht einer dieser greisgrämigen Büro-Menschen werden, die anderen Leuten ihr Glück beneiden und missgönnen, weil sie es bereuen, selbst ihr Leben nicht richtig gelebt zu haben. Man trifft in Deutschland viel zu viele dieser Menschen, die unglücklich mit ihrem Alltag sind, aber nicht den Mut haben, ihre finanzielle Sicherheit zu gefährden, um wirklich ZU LEBEN. 

Ich bin nicht so. Finanzielle Sicherheit ist mir nicht so wichtig. Ich bin jung. Ich brauche keinen Komfort und keine Altersvorsorge. Ich brauche Abenteuer!

Mit circa 2000 Euro auf dem Konto machte ich mich daher im Herbst 2016 auf den Weg zur Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur. Aber der Flug dorthin würde schon ein Abenteuer für sich werden: Ein Terroranschlag am Flughafen, verpasste Flieger beim Umsteigen und eine ungeplante Nacht in einem anderen Land würden meine Reise von Anfang an abenteuerlich gestalten.

Aber das war ja, was ich wollte, richtig?…

Alles außer Eselkarren

Ich hatte für den Beginn der Reise den günstigsten Flug nach Kuala Lumpur für 230€ gebucht, was mit zweimaligem Umsteigen in Ankara und in Doha verbunden sein würde. Gesamtreisezeit: 26 Stunden. Mehr als ein ganzer Tag. Davor muss ich noch irgendwie von dem kleinen Kaff in Norddeutschland, wo ich die letzte Woche vor der Reise mit meiner Familie verbracht habe, nach Berlin kommen.

Ich verabschiede mich in den frühen Morgenstunden tränenreich von meiner Oma und steige mit meiner Mutter ins Auto, um zum Bahnhof zu fahren, wo ich den Zug nach Braunschweig nehmen muss, von wo aus ich mit einen Fernbus nach Berlin reise, von wo aus ich vom Busbahnhof mit der U-Bahn und einem anderen Bus zum Flughafen fahren werde. Easy.

Insgesamt benutze ich auf meinem Weg von Zuhause bis nach Malaysia alle existierenden Transportmittel bis auf Fahrrad und Eselkarren und muss 8 Mal Umsteigen. Was kann da schon schief gehen?… Zugegeben, meine Planung hätte besser sein können. Aber wenn 2000 Euro für die nächsten zwei Jahre reichen müssen, muss man eben manchmal auf Risiko spielen.

Ich habe Glück auf dem ersten Abschnitt der Reise: Die Autofahrt bis zum Bahnhof endet nicht im Stau, der Zug kommt pünktlich, sodass ich den Fernbus bekomme, der auch relativ pünktlich ist und mich zusammen mit einer Junggesellinen-Abschieds-Party-Truppe nach Berlin bringt. Dort schleppe ich mein Backpack vom Busbahnhof bis zur nächsten U-Bahn-Station, wo ich in die falsche U-Bahn steige, es aber bemerke und wieder aussteigge und dann die Richtige nehme, die mich rechtzeitig zum Flughafen bringt. Geschafft!

Da ich das Gapyear zwischen Bachelor und Master als Flughafenmitarbeiterin gejobbt habe, kenne ich mich mit Check-In-Prozedere und Orientierung in Terminals bestens aus und bin sogar eine Stunde zu früh bei meinem Gate. Wer hätte das gedacht?

Der Flug von Berlin nach Ankara verläuft reibungslos. Aber beim ersten Mal Umsteigen in der Türkei geht dann alles schief und mein Abenteuer beginnt früher als erwartet!

Terror in der Türkei

Als ich in Anakara nach den ersten sechs Stunden Flug vor der Pass-Kontrolle ankomme, steht dort schon eine Schlange aus Menschen, die sich durch die gesamte Halle zieht. Ich stelle mich hinten an und hoffe, dass es schnell vorwärts gehen wird, da ich meinen Anschlussflug in zwei Stunden bekommen muss. Doch die Schlange bewegt sich keinen Millimeter vorwärts.

Eine halbe Stunde vor Abflug meines Anschlusses drängele ich mich mit ein paar anderen Deutschen, die ich beim Warten kennen gelernt habe, nach vorne, und erkläre den Kontroll-Beamten, dass wir unseren Anschluss nach Doha kriegen müssen. Sie entschuldigen sich und erklären uns, dass es Probleme mit dem Internet gäbe, weshalb nur alle halbe Stunde ein Pass gescannt werden könne. Sie machen sich dann auf unser Flehen hin aber eine handschriftliche Notiz über unsere Daten und lassen uns durch.

Endlich frei! Aber die Zeit drängt: Nur noch ein paar Minuten bis zum Abflug!

Wir rennen zur Gepäckabholung. Unser Gepäck wurde nach tausend einsamen Runden auf dem Fließband aber schon in die Lost-and-Found Sektion überführt, weil es seit über zwei Stunden von niemandem abgeholt wurde.

Bis zum Abflug sind es noch weniger als zehn Minuten! Wir rennen panisch durch den Flughafen auf der Suche nach unseren Backpacks. Ein freundlicher Mitarbeiter von Qatar-Air kann uns sagen, wo wir sie finden können, und er versichert uns, dass das Flugzeug auf uns warten wird. 

Fliegen mit dem Backpack: Die wichtigsten Fragen beantwortet

Mit dem 17kg schweren Backpack auf dem Rücken und dem 7kg schweren Handgepäck vorne vor dem Bauch stolpere ich über drei Etagen die stehenden Rolltreppen zum Gate in Ankaras Flughafen hoch. Der Schweiß läuft mir über den ganzen Körper, die Gurte des schweren Backpacks schneiden mir schon nach diesem kurzen Weg in die Schultern. Ich habe definitiv zu viele Bücher eingepackt!

Mit heftig pochendem Herzen schleppe ich mich gestresst und unter Schmerzen weiter, bis ich nach einigem Hin- und Her den richtigen Weg finde. Ich sehe endlich den Qatar-Air Check-In-Schalter, wo die anderen Deutschen bereits stehen, und freue mich schon, es geschafft zu haben. Ich gebe mein Gepäck für den nächsten Flug nach Doha auf und man sagt mir, das Flugzeug würde eine halbe Stunde später abfliegen; Ich würde es also noch schaffen. Erleichterung pur.

Entspannt laufen wir zur Taschenkontrolle – wo wieder eine endlose Schlange von Menschen wartet. Eigentlich ist es schon keine Schlange mehr, sondern eher ein wilder, wütender Mob, der sich vor den drei Eingängen staut. Der Grund: Vor dem Abflug muss man erneut durch die Passport-Kontrolle. Welche noch immer nicht funktioniert. Und diesmal kommt niemand mehr durch, weil das System komplett zusammengebrochen ist.

Ein Türke, der auch Deutsch spricht, übersetzt uns, was die türkischen Security-Beamten uns zubrüllen: Es gab eine Cyber-Attacke auf den Flughafen; alle Systeme sind lahm gelegt, niemand darf mehr rein oder raus. Wir sollen bitte warten.

Fassungslos stehen wir vor dem geschlossenen Gate, hinter dem unser Flugzeug wartet. Die Zeit verrinnt und es ist keine Besserung der Lage in Sicht. Und das Schlimmste ist: Wenn wir diesen Flug verpassen, verpassen wir auch den Anschlussflug von Doha nach Kuala Lumpur und meine Mitstreiter wären von dort sogar noch weiter geflogen bis nach Sydney. Die Verzweiflung ist groß. Das ist eine Menge Geld, die uns hier einfach so vor der Nase wegzufliegen droht.

In letzter Minute fällt uns auch noch ein, dass ja unser Gepäck schon aufgegeben ist und gleich ohne uns nach Doha fliegen wird! Wir rennen also zurück zum Schalter, der jetzt jedoch geschlossen ist. Zum Glück läuft uns zufällig wieder ein Qatar-Air-Mitarbeiter über den Weg und er arrangiert, dass wir unser Gepäck zurück bekommen. Man muss Qatar Air wirklich für seine Hilfsbereitschaft loben!

Mit den schweren Rucksäcken auf dem Rücken stehen wir nun am Flughafen und fragen uns, wie die Reise  weiter gehen soll. Der Flieger ist weg. Die Ein- und Ausgänge sind noch immer gesperrt und hinzu kommt die latente Angst, dass der Cyber-Attacke auf das Flughafeninternet womöglich auch noch ein richtiger Terror-Anschlag folgen wird, nun da wir alle im Flughafen gefangen sind.

Da vor nichtmal einem Monat zwei Bomben am Flughafen in Ankara hochgegangen waren, ist diese angst nicht ganz unbegründet. Mir klingen die warnenden Worte meiner Oma noch im Ohr, die nicht wollte, dass ich den 100 Euro günstigeren Flug buche, weil Umsteigen in der Türkei zu riskant sei. Ich tat ihre Sorgen mit einem Schulterzucken ab und buchte den Flug trotzdem. Welch Ironie, wenn ich jetzt tatsächlich in einen Terroranschlag stürbe…

Doch man sagt uns, der Hacker-Angriff sei vermutich das Werk der türkischen Rebellen, da der Putsch in der Türkei noch nicht lange zurück liege und es noch immer viele Widerstandskämpfer gäbe. Auch nicht sehr beruhigend, aber dennoch ein angenehmerer Gedanke, als ein potentielles Opfer einer ISIS-Attacke zu werden. 

Müde und hungrig hocken wir also um Mitternacht auf den Flughafenbänken, bewachen abwechselnd unser Gepäck, während wir hin und wieder zu den Bankschaltern laufen, um zu fragen, ob man jetzt wieder Geld wechseln könne, da die Schalter um diese Zeit ihre Inventur durchführen und erst danach wieder öffnen. Der Mc-Donalds steht vor unserer Nase, aber wir haben keine türkische Währung, um uns einen umgerechnet 20€ teuren Hamburger zu kaufen. Da wir momentan nichts an der Situation ändern können, rücken diese kleinen Probleme in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. 

Schließlich kommt ein Qatar-Air-Mitarbeiter (Gott segne ihn!) zu den Bänken voller Gestrandeter und verkündet, dass alle Passagiere, die mit Qatar Air nach Doha wollten, eine kostenlose Übernachtung im Hilton erhalten werden, und dass wir uns zum Taxi-Schalter begeben sollen. Alle schultern erwartungsvoll ihre Rucksäcke und trotten im Gänsemarsch hinter ihm her zum Ausgang. Von dort werden wir grüppchenweise von schwer bewaffneten Schutzleuten zu einem Großraumtaxi mit getönten Scheiben eskortiert.

Wenn das kein Abenteuer ist!

Ich fühle mich wie in einem Film. Ich wollte Abenteuer. Jetzt habe ich es. Und dass, noch bevor ich auch nur ansatzweise mein Ziel in Asien erreicht habe. Während wir durch das nächtlich prächtig beleuchtete Ankara fahren, in dem imposante Villen auf steilen Klippen über dem Meer thronen, bin ich fröhlich und aufgeregt und hoffe schon halb darauf, auch noch eine Schießerei und eine Verfolgungsjagdt miterleben zu dürfen, doch wir erreichen das Hotel ohne Zwischenfälle.

Hilton statt Bunkbed im Backpacker-Hostel

Um halb drei Uhr nachts falle ich in mein federweiches Bett im 250 Euro teuren Zimmer. Das Bett für 6 Euro im 6er-Schlafsaal, das ich eigentlich für diese Nacht gebucht hatte, habe ich gecancelt. Eigentlich keine schlechte Entwicklung der Dinge, denke ich mir. Ich muss wohl gutes Karma haben. Oder einfach Glück. Oder zumindest Glück im Unglück. Zwar steht noch in den Sternen, ob wir morgen eine neue Flugverbindung nach Kuala Lumpur bekommen, aber fürs erste bin ich zufrieden, weil ich weiß, dass meine Flugversicherung, mit der ich gleich telefoniert hatte, als fest stand, dass unser Flieger nach Doha weg ist, mir die Kosten für einen neuen Flug erstatten wird.

Für heute bin ich in Sicherheit. An einem besseren Ort als geplant. Und kostenloser Luxus, Sightseeing in der Türkei (vom Autofenster aus) und jede Menge Action gleich am ersten Tag gab es noch dazu. Ich könnte nicht glücklicher sein. Wenn der Rest der Reise so weiter geht, kann ich mich auf einiges gefasst machen. Ich kann es kaum erwarten!

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Nach dem Frühstück erhalten wir morgens die Nachricht, dass wir Plätze in exakt der gleichen Verbindung nach Kuala Lumpur bekommen haben, nur eben einen Tag später. Man bringt uns im Taxi zurück zum Flughafen, wo wir noch zwei Stunden warten müssen. Mit den neuen Freunden, die ich durch das nächtliche Abenteuer gewonnen habe, vergeht die Zeit aber schnell.

Wir treffen uns auch am nächsten Flughafen in Doha wieder und schlagen in dem riesigen Flughafen, der das größte Shoppingcenter ist, das ich je gesehen habe, die Zeit bis zum nächsten Flug gemeinsam tot.

Schließlich erreiche ich nach knapp drei Tagen Reise Malaysia. Der lange Weg dorthin hat mir die Distanz erst richtig bewusst gemacht und ich habe wirklich das Gefühl, weit gekommen zu sein.

Da die anderen drei Deutschen noch 20 Stunden Zeit haben bis zum Weiterflug nach Sydney, bzw. auch in Kuala Lumpur bleiben wollen, machen wir uns geinsam auf den Weg ins Stadtzentrum, um endlich etwas zu Essen zu finden.

Wir wechseln am Bankschalter unser restliches Bargeld, die beiden, die noch weiter fliegen müssen, schließen für 20 Euro ihr Gepäck in die 24-Stunden-Schließfächer am Flughafen ein und dann suchen wir nach dem Shuttle-Bus, der uns ins Zentrum bringen soll.

Die Weltreise hat begonnen!

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Jar213Mina

I am Lisa Jarmina, an adventurous outdoor person, writer and traveler who loves nature, science, languages and photography. I travel, explore, meet people and learn how they live under different circumstances. I want to teach people about other possibilities to live life; about different perspectives; about tolerance, humbleness, personal growth and mutual understanding. Don't be afraid to leave behind the things you know, to meet the things you do not know yet!

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