Wie man als Backpacker schnell einen Job in Australien bekommt

Als Backpacker einen Job in Australien zu finden, kann am Anfang eine ganz schöne Herausforderung sein.

Je nachdem, wo ihr eure Reise beginnt und welche Erfahrung ihr mitbringt, sind eure Chancen natürlich unterschiedlich. Jedoch gibt es viele Bereiche, in denen generell gezielt nach Backpackern gesucht wird.

In diesem Artikel erkläre ich euch, bei welchen Jobs Backpacker in der Regel gerne eingestellt werden, welche Bewerbungsstrategien sich für mich als erfolgreich bewiesen haben und welche Jobs ich und meine Freunde in Australien tatsächlich bekommen und ausgeübt haben.

Australische Jobportale

Diese Onlineportale sind der beste Weg, schnell einen Job zu finden.

Schaut am besten jeden Morgen nach, welche Jobs ganz neu hinzugefügt worden und ruft sofort dort an, bevor die Konkurrenz euch zuvor kommt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!

Gumtree

Indeed

SEEK

Backpackerjobboard

Welche Jobs können Backpacker in Australien leicht bekommen? 

Keep it Casual

Jobs mit zeitlicher Begrenzung, in denen keine lange Ausbildung von Nöten ist, wie z.B. Kellner, Putzfrau, Packer, Orangenpflücker, Hundesitter, Promoter etc. werden gerne an Backpacker vergeben. 

Sucht in Jobportalen wie Gumtree in der Rubrik Jobs am Besten nach allem, was als “casual” gekennzeichnet ist. Diese Teilzeitjobs sind gut bezahlt und ihr dürft jederzeit kündigen (aber auch jederzeit gekündigt werden), was sowohl euch als auch dem Arbeitgeber Flexibilität erlaubt.

Verkauft euren Körper 😉

Generell werden Backpacker mehr für “körperliche” Jobs wie Erntehelfer, Packer oder Putzfrau/mann eingestellt und selten für “richtige” Jobs, da die meisten Backpacker, die nach Australien kommen, gerade erst mit der Schule fertig sind und noch keine Berufserfahrung mitbringen.

Selbst wenn ihr bereits Berufserfahrung habt, signalisiert das Wort “Backpacker” oder “Working Holiday Visa” in eurer Bewerbung den meisten Arbeitgebern, dass man euch noch alles beibringen muss und ihr nach spätestens drei Monaten den Arbeitgeber wechseln müsst, daher ist es ihnen die Mühe nicht wert, jemanden auszubilden, der nicht im Betrieb bleiben wird.

Sucht besser nach Jobs in den Sektoren: Hospitality, Farmwork, Labour, Fundraising, Cleaning und Housekeeping. Diese Jobs sind in der Vorstellung der meisten Australier “geeignet” für Ausländer mit wenig Berufserfahrung aber gesunder Körperkraft. 

Wenn ihr noch keine Erfahrung mitbringt, habt ihr die besten Chancen Arbeit auf einer Farm zu finden. Farmjobs kann jeder auch ohne Erfahrung machen, da es in der Regel simple, körperlich sehr anstrengende Arbeit ist.

Langzeitjobs wie Bürojobs, Führungspositionen oder Jobs, die eine gewisse Vertrautheit mit dem Betrieb und seinen Abläufen erfordern ,werden dagegen nur ungern an Backpacker vergeben, da sie nach 3 Monaten per Gesetz ja wieder gehen müssen und da australische Arbeitgeber oft das Vorurteil haben, dass Backpacker schlecht Englisch sprechen.  

Für mehr Erfolg bei Bewerbungen konzentriert euch also am besten auf einfache, lockere “casual”-Jobs in Bereichen, wo es keine Rolle spielt, wenn das Personal of wechselt oder nur wenig Erfahrung mitbringt.

Vorsicht vor schlechten Deals!

Da Backpacker im Überfluss nach Australien kommen und oft verzweifelt jeden Job annehmen, sobald sie auf das Ende ihrer Ersparnisse stoßen, haben einige Leute (insbesondere die Farmer) sich darauf spezialisiert, unerfahrene junge Leute auszubeuten.

Farmarbeit

farm work backpacker

 

Entweder lassen sie die Backpacker 12 Stunden am Tag arbeiten, bezahlen aber nur für 5 Stunden und ziehen den Rest als “Gebühr” für eine Unterkunft ab (die eine dreckige alte Matratze in einem Gruppenraum ist). Bewerben tun sie solche Jobs z.B. mit “5 hours work a day and free accommodation”. Kein Scherz, ist mir leider passiert. Nach drei Wochen bin ich gegangen. So etwas sollte man nicht mit sich machen lassen.

Von anderen Backpackern habe ich gehört, dass sie die Miete für ihre Unterkunft für die gesamten drei Monate auf der Farm im Vorraus bezahlen mussten und somit auf der Farm festsaßen, da sie ihre gesamten Ersparnisse in die Unterkunft stecken mussten und somit keine Wahl hatten, als den knochenharten Job zu machen, egal unter welchen Arbeitsbedingungen, wobei sie letztendlich gerade so das Geld für die Unterkunft wieder heraus bekamen.

Ist der Eimer halb leer oder halb voll?

Bevor ihr auf einer Farm einen Arbeitsvertrag eingeht, bei dem ihr “per bucket” (per Eimer) bezahlt werdet. schaut euch an, wie groß ein “bucket” ist. Es gibt scheinbar keine Standartgrößen für Erntecontainer, sodass ihr je nachdem, was euer Arbeitgeber als “bucket” definiert,  entweder einen Eimer oder einen Lastwagenanhänger mit Früchten füllen müsst, um den vereinbarten Lohn zu bekommen. Wenn ein Lastwagen voller Orangen euch nur AUD12$ einbringt, könnt ihr euch selbst ausrechnen, wie viel ihr am Ende eines langen Tages voll harter Arbeit verdient haben werdet. 

Krumme Dinger drehen

Wieder andere Arbeitgeber stellen euch schwarz ein mit dem Versprechen, dass ihr so das volle Gehalt ohne Steuerabgaben ausgezahlt bekommt (was sich theoretisch lohnt, da man als Backpacker ab dem ersten Dollar seit 2017 15 – 35% Steuern abgeben muss), jedoch zahlen sie euch dann meist einen Stundenlohn, der unter dem Mindestlohn liegt (meist in Fest-Beträgen zwischen 300 – 500 $ die Woche, was zunächst toll klingt, aber nicht mehr so toll ist, wenn man dafür 12 Stunden am Tag arbeitet und das sieben Tage die Woche.  Vorsicht also bei solchen Deals. Es kann sich lohnen, wenn die Arbeitszeit für den Lohn angemessen ist, aber in der Regel verdient man trotz Steuern bei einem legalen Job meist mehr als mit Schwarzarbeit. 

Manchmal sagen euch die Leute auch gar nicht, dass ihr schwarz arbeitet. Wenn die Bezahlung in Cash erfolgt, und nicht auf euer australisches Bankkonto überwiesen wird, kann  dies darauf hindeuten, dass es ein Schwarzjob ist.

Siehe auch: Wie man ein australisches Bankkonto eröffnet

Für jeden legalen Job müsst ihr dem Arbeitgeber eure Steuernummer, die Taxfilenumber (TFN) geben. Wenn ihr danach nicht gefragt werdet, könnt ihr meist davon ausgehen, dass bei diesem Job etwas faul ist. 

Siehe auch: Wie man eine australische Taxfilenumber beantragt

Schwarze Schafe

Natürlich sind die hier genannten Beispiele die Ausnahme und nicht die Regel. Es wollen euch nicht alle Farmer und semi-legale Arbeitgeber böses. Ich habe auch für viele nette Australier unter fairen Bedingungen gearbeitet und habe auch Gutes über Farmarbeit gehört. Informiert euch am Besten in jedem Fall vorher so gut wie möglich über die Orte, an denen ihr Arbeiten wolllt und fragt wenn möglich jemanden, der schon dort war, wie die Bedingungen sind.

Aktzeptiert keine Vereinbarungen, bei denen ihr weniger als den Australischen Mindestlohn bekommt, der euch auch als Backpacker rechtlich zusteht. Informationen darüber, für welchen Job welcher Mindestlohn festgelegt ist, findet ihr auf der Webseite der australischen Regierung: Mindestlöhne in Australien (englisch).

Wenn ihr keinen Stundenlohn, sondern einen festen Betrag per Woche bekommt, rechnet euch aus, wie viele Stunden ihr am Tag arbeitet, und überprüft, ob ihr bei beispielsweise 10 Stunden Arbeitszeit am Tag den angemessenen Stundenlohn für euren Job bekommen würdet, indem ihr die wöchentlichen Arbeitsstunden durch den Gesamtbetrag teilt. Z.B. wenn ihr AUD 500 die Woche bekommt und dafür 10 Stunden täglich arbeitet, 7 Tage die Woche, dann ergibt sich die Rechnung: 500 : (10×7) = 7,14. Ihr arbeitet demnach für einen Stundenlohn von AUD 7,14. Der australische Mindestlohn ist für die meisten Jobs AUD 15, für viele Gastronomiejobs sogar AUD 20 die Stunde. Euer Stundenlohn von AUD 7,14 wäre also nicht angemessen.

Bei Problemen mit Arbeitgebern, die euch offensichtlich abzocken oder zu unzumutbaren Dingen zwingen wollen, könnt ihr den Fairwork Ombudsman informieren. Das ist die australische Behörde, die sich um Arbeiterrechte kümmert und auch Backpacker vor Ausbeutung zu schützen versucht. Oft lässt sich aber ein fairer Lohn aushandeln, wenn ihr freundlich mit eurem Arbeitgeber sprecht und dabei durchblicken lasst, dass ihr euch mit den Mindestlohnbestimmungen auskennt und wisst, das ihr ihn beim Ombudsman melden könnt, wenn er versucht euch weniger zu bezahlen, als euch zusteht.

Eine gute Methode, um Beweisen zu können, dass ihr eine bestimmte Anzahl an Stunden täglich gearbeitet habt, ist eine Liste zu führen, in die ihr eure Arbeitsstunden eintragt und sie am Ende des Tages oder der Woche vom Arbeitgeber unterschreiben zu lassen.

Outback vs. Großstadt:

 

Wir haben die Erfahrung gemacht, das es leichter ist, einen Job im Outback zu bekommen, als in bei Backpackern beliebten Städten wie Cairns oder Adelaide, wo es mehr Arbeitsuchende als Arbeitsplätze gibt. Im Outback hat man weniger Konkurrenz.

In der Mega-Metropole Sydney war es für uns jedoch auch als Backpacker sehr leicht Jobs zu finden, da im Gastronomie-Sektor hier immer gesucht wird und Backpacker gerne eingestellt werden. Daher würde ich Sydney als guten Start für ein Working Holiday empfehlen, wenn man erstmal Geld verdienen und dann reisen möchte.

Meine Backpacker Jobs in Australien

backpacker job australien
Doing a gardening job in the rain: Weeding and cutting dry palmtree leaves.

Ich kam nach Australien mit einem Master in Anglistik und Japanologie und Erfahrung als: Rezeptionistin, Promoter, Caterer, Eventhelfer und Zimmermädchen.

Ich denke meine Erfahrung in der Gastronomie und mein fließendes Englisch brachten mir definitiv die meisten Jobs ein. Aber auch, wenn man nur Schulenglisch spricht und noch keine Arbeitserfahrung hat, kann man in Australien Arbeit finden.

Als kleine Inspiration, wonach ihr gezielt suchen könnt, hier die Jobs, die meine Freunde und ich in Australien bekommen haben.

Diese Jobs habe ich während meinem Jahr in Australien ausgeübt:

Zimmermädchen (housekeeping)

Unkraut jähten (weeding)

Pub Manager

Restaurant & Hotel Manager

Barista

Briefträger (junk mail distribution)

Starkoch-Assistent auf der Royal Adelaide Show 

Kellnerin (waitress/waiter)

Catering/ Event Service

Stage Hand auf Sia Konzert

Diese Jobs haben Freunde von mir in Australien bekommen:

Boote putzen (deckhand)

Sushi Verkäufer (sushi takeaway job)

Verkäuferin (retail/ sales person)

Tellerwäscher (dishwasher)

Fundraiser

Tracktor-Fahrer (tractor driver)

Mechaniker (mechanic)

Erdbeer-Pflücker (strawberry picker)

Kindermädchen/ Babysitting (nanny)

Cowgirl (Jillaroo)

Mehr tun, als nur Bewerbungen zu schreiben

Scheut euch nicht davor auch mit unperfektem Englisch Arbeitgeber direkt anzurufen anstatt nur eine SMS zu schreiben. Es mag mehr Überwindung kosten, aber es zeigt dem Arbeitgeber, dass ihr in der Lage seid zu kommunizieren und genug Selbstbewusstsein und Interesse habt, um anzurufen und euch die Stelle zu sichern, bevor es jemand anderes tut.

Auf die altmodische Art klappt es manchmal besser

Wenn es über das Internet und das Telefon nicht klappt, druckt euren Lebenslauf zwanzig bis fünfzig Mal aus und gebt ihn auf Papier bei allen relevanten Betrieben/Cafés in der Stadt ab. Das mag altmodisch erscheinen, ist aber in Australien durchaus noch üblich.

Fragt am besten direkt nach dem Manager, damit eure Bewerbung in die richtigen Hände gelangt und ihr mit etwas Glück direkt einen guten Eindruck bei der Person machen könnt, die das Personal einstellt.

Nicht verzweifeln, falls es ein paar Wochen dauert, bis ihr etwas findet, oder überhaupt mal eine Antwort auf eure Bewerbungen bekommt. Das ist normal und in Deutschland ja auch oft nicht anders. Schickt so viele Bewerbungen raus wie möglich (aber nicht nur per copy-paste eine Standartversion, sondern auf den jeweiligen Job zugeschnitten), dann wird sich auch jemand bei euch zurückmelden.

Gesucht: Koch unter 20, mit mindestens 30 Jahren Berufserfahrung

australien backpacker jobs

 

Wenn all eure Bemühungen nichts helfen, und die Erwartungen der Arbeitgeber für jeden Job für euch unerfüllbar erscheinen,  lohnt es sich manchmal, den Lebenslauf etwas “aufzubessern” und Erfahrung im jeweiligen Bereich zu erfinden, sofern es etwas ist, das ihr euch zutraut, wirklich tun zu können. Ein Bekannter von mir wurde beispielsweise über Nacht zum “erfahrenen Tracktorfahrer” (wenn man einen Führerschein hat, kann man auch einen Tracktor lenken) und bekam so den begehrten Farmjob.

Übt beispielsweise zuhause ein Tablett und drei Teller zu tragen (Youtube erklärt wie es geht) und gebt Erfahrung als Kellner an. Niemand fragt nach Nachweisen. Solange ihr nicht versucht, euch als Arzt oder Anwalt etc. auszugeben, sondern bei leichten Dingen wie Kellnern, Gärtnern, Putzen oder Ernten bleibt, könnt ihr jegliche “Erfahrung” einfach improvisieren. Damit schadet ihr ja niemanden und anschließend könnt ihr dann wahrheitsgemäß sagen, dass ihr den Job schon einmal gemacht habt. 😉

Ihr dürft in der Regel einen Tag lang zur Probe arbeiten und dann entscheidet sich sowieso anhand eurer Fähigkeiten, ob ihr den Job bekommt, oder nicht. Zerbrecht euch also nicht zu sehr den Kopf über theoretische Qualifikationen, sondern gebt an, was ihr tatsächlich tun könnt, dann bekommt ihr zumindest eine Chance, euch im jeweiligen Job zu beweisen und echte Erfahrung zu sammeln.

Viel Glück &nicht aufgeben!

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Lisa Jarmina

I am Lisa Jarmina, an adventurous outdoor person, writer and traveler who loves nature, science, languages and photography. I travel, explore, meet people and learn how they live under different circumstances. I want to teach people about other possibilities to live life; about different perspectives; about tolerance, humbleness, personal growth and mutual understanding. Don't be afraid to leave behind the things you know, to meet the things you do not know yet!

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